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Artenvielfalt wie im Urwald 

In Wäldern wie denen im Spessart fühlen sich auch seltene Tier- und Pflanzenarten wohl. In den jungen Wirtschaftswäldern, die den Großteil unseres Buchengebietes bedecken, finden sie keinen Lebensraum mehr. Auch Wissenschaftler identifizieren den Spessart als einen besonderen Hotspot der Artenvielfalt, zum Beispiel für Waldvögel. Dies sieht man zum Beispiel am Naturwaldreservat (NWR) Eichhall im Spessart. Seit wenigen Jahren steht das Gebiet unter Schutz. Mittlerweile lässt sich die Vogelwelt des Eichhalls mit der in den Urwäldern im Polnischen Bialowieza vergleichen. Zahlreiche Spechtarten finden im "Spechthaard", dem Spessart, ideale Lebensbedingungen. Auch der scheue Schwarzstorch brütet seit einigen Jahren hier. Für den Halsbandschnäpper hat der Spessart bundesweit eine herausragende Stellung. Etwa 10% aller Halsbandschnäpper Deutschlands leben im Spessart. Auch eine große Anzahl Fledermausarten findet im Spessart ihren Lebensraum, oft leben Kolonien von über 100 Fledermäusen in einem einzigen ausgehöhlten Baumstamm.

Im Spessart findet man viele sehr seltene Arten - allerdings hauptsächlich in den wenigen Schutzgebieten wie den Naturwaldreservaten die nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Ein Nationalpark bietet die Möglichkeit für viele seltene Tierarten sich auszubreiten.


Urwaldreliktarten

Eremit im Spessart

Die Spessart-Wälder sind auch ein Paradies für die kleinen Bewohner des Waldes: der Käfer. Der Spessart hat eine große Artenvielfalt. Insbesondere Seltenheitswert haben die hohen Tot- und Altholzanteile. Mehr als ¾ der Fläche im Teil Rothenbuch sind mit naturnah zusammengesetzten Laubholzbeständen bestockt. Auf 28% befinden sich alte naturnahe Laubholzwälder, die älter sind als 140 Jahre. Davon sind 960 ha sogar älter als 180 Jahre. 350 ha Eichenwälder, die schon mindestens 300 Jahre alt sind. In dieser Dimension ist das für Bayern einmalig. Die alten Wälder des Hochspessarts sind ein einzigartiger Lebensraum für laubwald-gebundene Arten - inkl. 13 Urwaldreliktarten. Über 320 verschiedene, auf Totholz angewiesene (xylobionte) Käferarten wurden nachgewiesen, darunter vom Aussterben bedrohte Arten wie der Eremit (Osmoderma eremita, auch Juchtenkäfer genannt, eine Urwaldreliktart). Er lebt in den Höhlen alter Bäume und ist auf den Mulm angewiesen, der sich aus verrottetem Holz bildet. Dieser Käfer kommt nur in urwaldähnlichen und sehr naturnahen Wäldern vor und kann in naturfernen jungen Wirtschaftswäldern mit geringer Totholzdichte nicht überleben.

Bei den Altholzbesiedlern gelangen die herausragenden Nachweise von 5 der 7 europäischen Hirschkäferarten, darunter der stark gefährdete Rindenschröter (Ceruchus chrysomelinus) und der Feuerschröter (Lucanus cervus). Bemerkenswert ist auch der Goldhaarige Halsbock (Leptura aurulenta), dessen einzigstes bayerisches Vorkommen im Hochspessart liegt.

Von landesweiter Bedeutung sind die Nachweise der prioritären FFH-Art Eremit (Osmoderma eremita) im Eichhall und Rohrberg und des bisher als in Bayern ausgestorben geltenden Erdkäfers (Trox perrisii) im Eichhall. Er lebt  in Specht-, Waldkauz-und Hohltaubenhöhlen. Der Eremit besitzt im Heisterblock wahrscheinlich seine größte bayerische Population; er gehört zur Gilde der Mulmhöhlenbesiedler, weil sei-ne Larven auf das gleichmäßige Feuchtemilieu von Mulm lebender Bäume angewiesen sind.

Ebenfalls von landesweiter Bedeutung war der bayerische Wiederfund des bisher als ausgestorben oder verschollen geltenden Holzpilzkäfers (Tetratoma desmarestii) im Eichhall. Die Art lebt am Eichen-Zystidenrindenpilz in der Krone von Alteichen.

Der bei der Holzameise Lasius brunneus lebende und vom Aussterben bedrohte Rindenkäfer (Pycnomerus terebrans) wurde im Eichhall und im Rohrberg nachgewiesen.

Gute Untersuchungen zu den Xylobionten Käferärten findet man bei Bussler (pdf 1,2 MB).


Säugetiere - besonders gefährdete Arten

 

Viel über die Artenvielfalt im Spessart und insbesondere im Heisterblock hat Michael Kunkel zusammengetragen. Infos hier