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Presseerklärung vom 30. November 2002

Gen-Soja und Antibiotika in der Putenmast: Greenpeace informiert Verbraucher

Tengelmann und Kaufhof sollen italienische A.I.A.-Puten aus den Regalen nehmen

München, 30. November 2002. Über Produkte des italienischen Putenherstellers A.I.A. informiert die Greenpeace-Gruppe München heute Verbraucher eines Tengelmann-Supermarktes in München. Nach neuen Recherchen von Greenpeace werden die Puten weiterhin mit genmanipulierter Soja gefüttert. Zudem stecken in den Knochen immer noch Rückstände des Antibiotikums Tetracyclin, das in der Massentierhaltung eingesetzt wird. Greenpeace wirft insbesondere dem Handelsunternehmen Kaufhof/Metro die Irreführung von Verbrauchern vor. Es nahm ebenso wie Walmart und Tengelmann nach den ersten Antibiotika-Funden im Juni 2002 die Puten aus dem Sortiment. Doch nur kurze Zeit später boten Kaufhof und auch einige Tengelmann-Märkte sie wieder an, obwohl der Agrarkonzern A.I.A. (Agricola Italiana Alimentare) die Haltung des Geflügels nicht verbessert hatte.

"Erst tun Kaufhof und Tengelmann so, als handelten sie im Interesse der Kunden. Einige Tage später schieben sie die Puten wieder klammheimlich ins Regal, als sei nichts gewesen", sagt Klaus Müller von der Greenpeace-Gruppe München. "Wir fordern die Supermärkte auf, die A.I.A.- Produkte erst wieder in die Regale zu legen, wenn sich der Konzern zu einer besseren Tierhaltung verpflichtet und kein Gen-Soja mehr verfüttert."

Die meisten Geflügelmäster in Deutschland verzichten bereits auf Gen-Soja im Tierfutter. Auch viele andere Produzenten in Europa halten sich daran. Dagegen arbeitet von den sieben Futtermittelwerken des Agrarkonzerns A.I.A. nur eines mit gentechnikfreier Ware. Greenpeace fordert, Gen-Soja aus Futtermitteln zu entfernen. Jährlich werden etwa 15 Mio. Tonnen genveränderte Soja in die EU importiert (50 Prozent der Importe). Sie wird zum größten Teil ohne jede Kennzeichnung als Futtermittel in Verkehr gebracht und gelangt so gegen den Willen der Verbraucher in die Nahrungskette.

Problematisch sind nach wie vor auch die Antibiotika-Rückstände in den A.I.A.-Produkten: Nach den Greenpeace-Untersuchungen im Sommer, die in 82 Prozent der untersuchten Knochen Tetracyclin nachwiesen, fanden die Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover im September in 75 Prozent der Proben abermals Rückstände. Erst im Oktober und November waren die Werte niedriger. Doch der Agrarkonzern A.I.A., mit Sitz in Verona/Italien, will die Haltungsbedingungen der Tiere bislang nicht ändern, die zu dem hohen Einsatz von Antibiotika führen. Daher liegt für Greenpeace die Vermutung nahe, dass er inzwischen einfach auf andere Medikamente ausweicht, die sich schwerer nachweisen lassen. Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in den Ställen gefährdet auch den Menschen. Krankheitserreger werden so unempfindlich. Ärzte warnen schon lange, dass dadurch immer mehr Antibiotika beim Menschen nicht mehr wirken.