Presseerklärung vom 11. Juni 2005

Greenpeace protestiert gegen Zwischenlager in Landshut

"Umdenken bevor es kracht"

Die heutige Greenpeace-Aktion "Umdenken bevor es kracht" soll vor allem darauf hinweisen, wie gefährlich die Atomenergie ist und gleichzeitig zeigen, dass Alternativen vorhanden sind. Der aktuelle Anlass zum Protest gegen die Verantwortungslosigkeit der Atomwirtschaft ist der Bau des Zwischenlagers für Atommüll in Landshut. Greenpeace veranschaulicht das tödliche Potential der Atomenergie durch ein hinter einer Absperrung befindliches Modell eines Brennelementes. Warnschilder, die das Brennelement umgeben, informieren Passanten über das Gefahren­potential von Brennelementen, aber auch über die Wirkung von Radioaktivität auf den Menschen und die generellen Risiken der Atomernergie-Nutzung. Die Alternativen zur Atomenergie werden durch Schautafeln zur Energie­wende, aber auch durch eine Photovoltaikanlage, einen mit Photovoltaik betriebenen Rasenmäher und ein Windrad, das vor Ort Elektrizität erzeugt, aufgezeigt.

"Das Atommüll-Problem ist seit Jahrzehnten ungelöst. Weder Gorleben noch andere Standorte in Deutschland erfüllen die Bedingungen für eine sichere Endlagerung." sagt der Energie- Ansprechpartner, Walter Fuchs der Greenpeace Gruppe München. Weltweit ist noch kein Endlager für hochradioaktive Abfälle in Betrieb. Des weiteren zeigt eine Studie der GRS (Gesellschaft für Reaktorsicherheit), dass die vorhandenen Atomkraftwerke gegen Flugzeugabstürze nicht ausreichend gesichert sind. "Flugzeugabstürze sind für Terroristen nur eine von vielen Möglichkeiten, einen GAU auszulösen. Statt sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen, werden nun Zwischenlager gebaut, die die Verwundbarkeit gegen terroristische Angriffe weiter massiv erhöhen." so Fuchs weiter.

Durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (1986) sind die Folgen eines Atomunfalls auch für die breite Öffentlickeit offensichtlich geworden. Atomwirtschaft und Politik nehmen jedoch weiterhin die Risiken der Atomenergienutzung einschließlich der Terrorgefahren in Kauf. Im Ernstfall besteht noch nicht einmal eine ausreichende Haftpflichtversicherung für die finanziellen Schäden. Trotzdem spricht die Regierungsopposition bereits vom Weiterbetrieb der Atom­kraftwerke über die im sogenannten "Atomausstieg" vereinbarten langen Laufzeiten hinaus.

Das Gefahrenpotential, das von der Atomenergie ausgeht, zeigt sich bei den Brennelementen mit Plutonium. Es fällt bei der Wiederaufbereitung an und ist so gefährlich, dass bereits das Plutonium eines einzigen Brennelementes aus einem Zwischenlager für die gesamte Bevölkerung in Deutschland lebendsbedrohlich ist, wenn es freigesetzt wird. Die Krankheitssymtome und Todesfolgen kennt man bereits von Tschernobyl. Bis heute sind bereits etwa 15000 solcher Brennelemente in Deutschland angefallen. Weitere 15000 sollen bis zum Ausstieg folgen. Es fragt sich: Wer kann für die nächsten Jahrhunderte die Verantwortung für deren sichere Lagerung übernehmen?

Alternativen zur Atomenergie sind vorhanden und Länder wie Italien und Österreich zeigen, dass es auch ohne Atomenergie geht. Durch Einsparungen, Effizienzsteigerungen und regenerative Energien könnte auch bei uns eine Energieversorgung ohne Atomenergie und ohne fossile Energieträger gewährleistet werden. Studien, unter anderem auch vom WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) belegen dies.