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Presseerklärung vom 02.12.99

1300 Firmen fordern: Kein Papier aus Urwaldholz!

Greenpeace überbringt Papierherstellern "Weihnachtsgruß"

München 12. Dezember 1999. Eine Greenpeace-Weihnachtsfrau hat heute dem Verband der deutschen Papierfabriken (VDP) in München einen ungewöhnlichen Weihnachtsgruß überbracht: die Appelle von mehr als 1300 Firmen und Geschäften aus dem ganzen Bundesgebiet, die die Papierproduzenten auffordern, künftig kein Urwaldholz mehr für die Papierherstellung zu verwenden. Zusammen mit zwei verkleideten "Bären", die die Tierwelt des kanadischen Urwaldes symbolisieren, kletterte die Greenpeacerin im Nikolaus-Kostüm auf den Balkon des Deutschen Museums, in dem heute die VDP-Jahresversammlung stattfindet, und übergab die 1300 Briefe in einem großen Geschenkpaket. Hintergrund der Aktion: am 14. Dezember werden Vertreter der Papierindustrie und der großen Zeitschriftenverlage entscheiden, ob sie ihre Verträge mit kanadischen Forstunternehmen wegen der anhaltenden Urwaldzerstörung in Kanada kündigen oder nicht. Dabei geht es um ein Auftragsvolumen von mehreren Hundert Millionen Mark.

"Wir hoffen, dass die Appelle der Firmen die deutschen Papierhersteller darin bestärken, sich gegen die weitere Verwendung von Urwaldholz zu entscheiden", sagt Greenpeace-Sprecher Martin Kaiser. Die Briefe wurden von Greenpeace-Gruppen in über 50 Städten gesammelt. Die Palette reicht von Schreibwarenläden und Buchhandlungen über Copy-Shops und Reisebüros bis hin zu Versicherungen und Schuhgeschäften. In ihren Briefen weisen die Firmen und Geschäfte auf die bedrohliche Situation der Urwälder der Erde hin. Nur ein Fünftel der ursprünglichen Urwaldfläche ist heute noch vorhanden. Einer der Hauptgründe der fortschreitenden Urwaldvernichtung ist die Abholzung für Holz- und Papierprodukte.

Die Firmen und Geschäfte wenden sich vor allem gegen die Zerstörung des kanadischen Regenwaldes, die in direktem Zusammenhang mit der Papierherstellung in Deutschland steht. Kanada ist der größte Holzexporteur der Welt, Deutschland als einer der größten Abnehmer bezieht über 20 Prozent seines Zellstoffs aus Kanada. In dem ökologisch einmaligen Küstenregenwald werden bis zu 1000 Jahre alte Urwaldriesen gefällt, die in der Bundesrepublik als Zeitschriftenpapier und Pappkartons enden.

Im August hatte Greenpeace mit Vertretern der Papierhersteller und der Zeitungsverlage eine Informationsreise in den kanadischen Regenwald durchgeführt. Auf Kahlschlagflächen, bei Flügen über den Urwald und in Gesprächen mit Wissenschaftlern und Vertretern der Forstindustrie konnten sich die Verbände ein umfassendes Bild vom ganzen Ausmaß der Urwaldzerstörung machen. Daraufhin stellten VDP und VDZ (Verband der deutschen Zeitschriftenverlage) ein Ultimatum an die kanadischen Kahlschlagfirmen: Ab Ende des Jahres muss ein Einschlagstopp für die wenigen noch vorhandenen, unberührten Urwald-Täler beschlossen und eine von den Umweltverbänden akzeptierte, nachhaltige Forstnutzung eingeführt werden.