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Pressemitteilung vom 02.03.99

Freisetzungsversuch genmanipulierter Kartoffeln im Landkreis Freising geplant

Mögliche Folgen sind nicht absehbar

München, den 02.03.99. Die Bayerische Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau (LBP) beabsichtigt für die Jahre 1999 bis 2007 eine Freisetzung von gentechnisch veränderten Kartoffeln im Landkreis Freising. Die Greenpeace Gruppe München hat heute Einwendung bei der Zulassungsstelle für Freilandversuche in Deutschland, dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, eingelegt.

Die genmanipulierten Kartoffeln haben eine veränderte Stärkezusammensetzung. Freigesetzt werden sollen insgesamt 700 verschiedene gentechnisch veränderte Kartoffellinien, ausgehend von acht Kartoffelsorten.

Besonders kritisch ist, daß die LBP nicht ausschließen kann, daß Kartoffeln mit einem Gen freigesetzt werden, das eine Resistenz gegen das Antibiotikum Amikacin verleiht. Bei Amikacin handelt es sich um ein Reserveantibiotikum beim Menschen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß derartige Resistenzgene auf Mikroorganismen übertragen werden, und damit die Wirksamkeit dieses wichtigen Reserveantibiotikums gefährdet wird. 1998 wurde die EU-Zulassung für eine gentechnisch veränderte Kartoffelsorte verweigert, weil sie ein Amikacin-Resistenzgen enthielt.

Zusätzlich enthalten die Kartoffeln ein Resistenzgen gegen das in der Humanmedizin gebräuchliche Antbiotikum Kanamycin. Vor den Gefahren durch Antibiotika-Resistenzgene warnten im Herbst 1998 außer der Berliner Ärztekammer auch Verbraucher- und Ärzteverbände. Aus dem gleichen Grund bestehen in Norwegen, Österreich und Luxemburg Importverbote für einen Gentech-Mais der Firma Novartis und in Frankreich wurde dessen Anbau bis auf weiteres verboten. Das Europäische Parlament hat sich im Februar 1999 dafür ausgesprochen, daß keine Gen-Produkte mit Antibiotika-Resistenzgenen mehr zugelassen werden sollen. Auch das Robert-Koch-Institut selbst hat kürzlich empfohlen auf Antibiotika-Resistenzgene in gentechnisch veränderten Organismen zu verzichten.

Es gibt einige weitere Unzulänglichkeiten im Freisetzungsantrag der LBP, die deren Kompetenz bezüglich der Durchführung der geplanten Freisetzung fraglich erscheinen lassen. So werden viel zu kleine Sicherheitsabstände von 20 Metern zu möglichen Anbauflächen von konventionellen Kartoffeln in Erwägung gezogen. Außerdem kann - laut Antrag - eine Weiterverbreitung der eingebauten neuen Gene nicht ausgeschlossen werden.

Neuere Untersuchungsergebnisse aus Fütterungsversuchen von Ratten mit anderen gentechnisch veränderten Kartoffeln zeigten, daß bei der gentechnischen Manipulation von Pflanzen mit völlig unerwarteten Effekten zu rechnen ist und die Risiken bisher möglicherweise unterschätzt wurden. Die Ergebnisstudie berichtet von einer Schädigung des Immunsystems und von Veränderungen innerer Organe der Versuchstiere. Angesichts der hohen Zahl von 700 verschiedenen Kartoffellinien erscheinen zusätzliche Untersuchungen der Sicherheit jeder einzelnen Linie absolut notwendig, bevor eine Freisetzung der Knollen erfolgen darf.

"Die Greenpeace Gruppe München fordert das Robert-Koch-Institut angesichts der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse auf, die mit der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen verbundenen Risiken ernst zu nehmen", sagt Klaus Müller, Gentechnik-Experte der Greenpeace Gruppe München. "Wir erwarten deshalb vom Robert-Koch-Institut, daß es der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau die Genehmigung für diese Freisetzung verweigert."

Auch mehrere hundert besorgte Bürger haben auf einer Sammeleinwendung die außer von der Greenpeace Gruppe München noch durch weitere Organisationen unterstützt wird, Einspruch beim RKI eingelegt.

Weitere Informationen zur geplanten Freisetzung im Landkreis Freising finden Sie auf unseren Internet Seiten unter http://www.greenpeace-muenchen.de, Informationen zur Gentechnik allgemein gibt es bei Greenpeace Deutschland unter http://www.greenpeace.de/einkaufsnetz und http://www.genetiXproject.org.